Mein Weg mit dem "schamanischen Ei"
- Sonja Mulde

- vor 4 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Ich möchte heute etwas sehr Persönliches mit dir teilen. In der dritten Januarwoche (2026) bin ich drei Tage mit dem schamanischen Ei gewandert. Drei Tage des bewussten Gehens, des Spürens und des inneren Dialogs mit mir selbst. Es war eine intensive Zeit und ich mag dazu etwas teilen. Ich habe mich an dieses schamanische Ritual erinnert, als ich mir eine bewusste Klärung für meinen Geist und meine innere Ausrichtung gewünscht habe. Ich hatte es vor einigen Jahren schon einmal gemacht und wie heißt es so doch schön? Vom Wissen - ins Wirken - a lá "Wissensriese" oder "Umsetzungszwerg". Wie viel Wissen sammeln wir, wie viel lesen wir, wie viele Rituale liegen griffbereit vor uns und doch bleiben sie wirkungslos, wenn wir sie nicht leben...
Das Ei-Ritual ist ein altes Ritual aus der schamanischen Praxis und für mich eine bewusste, heilige Sitzung. Man trägt es über einen bestimmten Zeitraum (3 Tage idealerweise) am Körper und bewegt sich damit durch den Alltag, nachts wird es in der Nähe abgelegt. Alles was gesehen, gefühlt und berührt wird, wirkt auch auf das Ei und damit auf den eigenen inneren Raum. Während meiner Wanderungen habe ich viel wahrgenommen, ich hatte es im Brustbeutel direkt am Körper hängen, eingebettet in etwas Knisterfolie (kennst du bestimmt) und es war eine echte Herausforderung, weil ich nicht wollte, dass es zerbricht, während die äußeren Umstände, sagen wir mal, alles andere als sanft oder berechenbar waren. Das Ei nimmt das auf, was uns bewegt. Gedanken, Gefühle, Prozesse, Begegnungen und mehr. Das Ei wird zu einem "energetischen Gefäß" sozusagen. Es dient u.a. der Klärung, der Bewusstwerdung und dem Kontakt zu den eigenen Energien. Nach den 3 Tagen folgt eine Öffnung des Eis. Diese Öffnung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Das Ei kann aufgebrochen, es kann angepikst oder angeritzt werden, sodass sich die Schale langsam öffnet. Es kann auch mit leichtem Druck geöffnet werden. Manche öffnen es auch an der Spitze oder an der Seite. Auch der Ort der Öffnung trägt bereits eine Information. Die Art, wie wir das Ei öffnen, ist halt Teil der Deutung. Sie zeigt, wie wir mit inneren Prozessen umgehen. Ob wir zum Beispiel Klarheit suchen, Vorsicht, Kontrolle, Vertrauen oder Hingabe. Ich habe das Ei auf den Tisch aufgeschlagen, intuitiv, weil sich offenbar in mir eine klare Bereitschaft gezeigt hat, nichts mehr zurückzuhalten, aber das wurde mir erst danach so richtig bewusst. Diese Art der Öffnung ist wirklich ganz intuitiv geschehen, was mich selbst einen Moment lang erschrocken hat und mir zugleich gezeigt hat, wie viel Entschlossenheit an diesem Punkt oder in diesem Prozess bereits da war. Nach dem Öffnen wird dann das Eigelb betrachtet. Die Formen, Fäden, Verdichtungen, die Klarheit oder auch die Trübung. Das Dotter, die Energie darin wird quasi „gelesen“. Nicht wie beim Tarot oder beim Orakeln, vielmehr wirklich so, dass aus der Flüssigkeit selbst die Bedeutung herausgelesen wird. Die Deutung entsteht dann aus inneren Bildern, Körperwahrnehmungen und dem, was sich allumfassend zeigt. Am Ende wird das komplette Ei (was davon übrig ist/eingesammelt werden kann) Mutter Erde zurückgegeben. Ein bewusster Umgang des Loslassens und der Transformation. Wenn die Energien gelesen wurden bzw. auch verstanden ist und an die Erde zurückgegeben wird, bleibt oft ein Gefühl von Erleichterung oder innerer Ordnung zurück. So war es auch für mich.

Aber warum schreibe ich darüber. Warum „erzähle“ ich dir von meinem Aufklatscher mit dem Ei und überhaupt von diesem Ritual. Weil genau darin der Kern oder Schatz liegt > In der Einfachheit. In etwas, das fast unscheinbar wirkt und doch unglaublich viel Tiefe trägt. Ein Ei, drei Tage, ein bewusster Umgang. Und plötzlich zeigt sich etwas, das sonst vielleicht keinen Raum bekommt > Sanftheit oder Klärung, Zartheit, Seelenhygiene...
In meinem Verständnis sind einige schamanische Rituale oft genau so oder genau das. Sie brauchen kein großes „Drumherum“, sie wirken, weil wir uns wirklich einlassen. Weil wir bereit sind, Verantwortung für unsere inneren Prozesse zu übernehmen und ihnen „eine Form“ oder Möglichkeit anbieten/geben. Ich schreibe darüber, weil es unterm Strich eine Einladung ist, dich dem Einfachen wieder zuzuwenden. Und weil es ehrlich gesagt ziemlich „krass“ ist, was es mit uns macht, wenn wir drei Tage lang mit so einem rohen Ei unterwegs sind. Die Aufmerksamkeit verschiebt sich. Die Wahrnehmung wird feiner. Plötzlich sind wir präsenter, achtsamer, verantwortlicher... Fast so, als hätten wir wie früher ein Tamagotchi bei uns getragen, nur dass es hier nicht um ein digitales Wesen geht, sondern um unsere eigene Bewusstwerdung, die sich an etwas ganz Reales bindet. Etwas natürliches.

Und genau an dieser Stelle ist es mir sehr wichtig über das zu schreiben. Der respektvolle Umgang mit dem Ei selbst! Gerade für Menschen, die vegan leben, im Tierschutz sehr aktiv sind oder eine tiefe Verbundenheit zu Tieren spüren, kann dieses Ritual an dieser Stelle Fragen aufwerfen. Deshalb ist mir der bewusste Umgang damit so wichtig. Im Idealfall stammt das Ei vom eigenen Huhn oder von einem Ort, an dem man die Tiere kennt. Es geht auch darum, sich beim Huhn zu bedanken, dafür, dass es dieses Ei zur Verfügung stellt, und nicht einfach ein anonymes Produkt aus dem Supermarktregal zu verwenden. Auch das Huhn selbst kann geehrt werden, zum Beispiel mit ein paar besonderen Körnern. So schließt sich der Kreislauf auf eine achtsame Weise. Und wenn wir schon beim Ei sind, dann dürfen wir auch einmal staunen. Wie faszinierend ist bitte dieses „Wunder“. Wunderwerk Natur, die „Erfindung“ Ei-Schale, unglaublich! Kaum ein Kind weiß übrigens heute noch, wie ein Ei aus dem Huhn entsteht oder das Huhn aus dem Ei..., was schade ist und mich manchmal sehr nachdenklich stimmt.
Was ich hier mit dir teile, ist meine Art des Erlebens. Meine Begegnung mit diesem Ritual. Es ist ein Ausschnitt, eine Perspektive und nicht die absolute Vollständigkeit. Es gibt viele Varianten des schamanischen Eis, viele Weisen, damit zu arbeiten und viele unterschiedliche Auslegungen, gerade auch im energetischen Bereich, um Klärung, Bewusstwerdung und Ausrichtung zu finden. Und falls es dich interessiert, dieses Ritual kann auch von anderen gelesen werden bzw. es ist sogar üblich. Es gibt schamanische Sitzungen, in denen das Ei nach den drei Tagen tragen mitgebracht wird und von einer Schamanin oder einem Schamanen gelesen wird. Als Übersetzer für das, was sich im Inneren bewegt und vielleicht selbst nicht in Worte gefasst werden kann oder aus anderen Gründen.
Vielleicht ist das Ei nur ein Ei.
Vielleicht ist es aber auch eine Einladung…
* In allem, was ich tue, fließen schamanische Einflüsse mit ein. Gleichzeitig bezeichne ich mich selbst nicht als Schamanin. Für mich geht es weniger um Titel, mehr um die Haltung zu mir selbst, zur Natur, zu den Tieren und zu den Energien, mit denen wir arbeiten, und vor allem um die Lebendigkeit, das anzuwenden, was uns weitergetragen wurde. Sonst ist es in "der Theorie schön", Schamanismus aber lebt von der Praxis, unserer Hingabe und im Alltäglichen.







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