Das Sehen im Tiergespräch
- Sonja Mulde

- 11. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Beim Thema Sehen in der Tierkommunikation (weil es heißt ja fast überall, wir empfangen über Bilder, …) liegt oft eine große Erwartungshaltung drauf. Viele glauben, inneres Sehen müsse bedeuten, minutenlang klare Bilder oder ganze Filmszenen zu empfangen, wie ein inneres Daumenkino. Und ja, das kann passieren. Muss es aber nicht. Oft zeigt sich zu Beginn nur ein Bild und das auch nur ganz kurz. Vielleicht für eine Sekunde. Ein inneres Aufblitzen und genau das ist bereits inneres Sehen. Genau das ist bereits ein „Bildempfang“ vom Tier.
Was dann häufig passiert ist, dass wir das Bild einfach vorbeiziehen lassen oder darauf warten, dass noch mehr kommt, etwas „Richtigeres“. Wenn ein Bild im Tiergespräch vor deinem inneren Auge auftaucht, nimm es an und schreibe es auf. In dem Moment, in dem du ein inneres Bild empfängst, wird es über deine neuronalen Verknüpfungen mit Bedeutung versehen und an dein Bewusstsein weitergeleitet, weshalb du meistens weißt, was du siehst. Siehst du innerlich einen Trecker, dann weißt du, dass es ein Trecker ist. Dieses Wissen ist bereits Teil des Empfangs. Dein Kopf schlüsselt das Bild für dich auf, damit du es greifen und aufschreiben/benennen kannst. Deshalb ist unser Kopf in Tiergesprächen viel wichtiger, als oft behauptet wird, denn auch wenn es hilfreich ist, ihn leiser werden zu lassen, wäre es kontraproduktiv, ihn ganz ausschalten zu wollen, da er eine zentrale Rolle dabei spielt, das Empfangene überhaupt verständlich zu machen.
Das Spannende ist, dass in meinen Kursen so viele Menschen sitzen, die sagen, sie seien absolute Kopfmenschen oder könnten gar nicht meditieren. Und genau das ist kein Hindernis. Du musst weder meditieren können noch ein sogenannter Nicht-Kopfmensch sein, um Tiergespräche zu führen. Beides darf da sein. Beides ist sogar hilfreich. Dein Verstand hilft dir, das Empfangene einzuordnen, und deine Wahrnehmung öffnet den Raum dafür. Es ist kein Entweder-oder, sondern ein Zusammenspiel. Und vor allem ist keines von beidem ein Problem. Ans Herz gelegt Vertraue bei deinen ersten Schritten in der Tierkommunikation deinem ersten Bild. Warte nicht auf einen „inneren Blockbuster“, denn inneres Sehen gleicht eher einem Blitzlicht als einem Kinofilm (gilt nicht pauschal, aber ist häufig so).
Eine kleine Übung zum inneren Sehen
Nimm dir einen ruhigen Moment und schließe für einen Augenblick die Augen. Atme ein paar Mal bewusst ein und aus, ohne etwas erreichen zu wollen. Denke dann an ein Tier, das dir vertraut ist oder gerade präsent für dich ist.
Stelle innerlich eine einfache, offene Frage. Zum Beispiel welchen Platz es gern hat oder was es gerne isst. Warte nicht angestrengt auf eine Antwort. Nimm einfach wahr, was sich zuerst zeigt. Vielleicht ein Bild, ein Eindruck, eine Farbe oder etwas ganz Alltägliches.
Halte diesen ersten Eindruck fest und schreibe ihn auf. Auch dann, wenn er unscheinbar wirkt oder keinen offensichtlichen Sinn ergibt. Vertraue darauf, dass genau dieser erste Impuls Teil des Kontakts ist.
Ob wir es inneres Sehen nennen, Hellsehen, Bilderempfang, Wahrnehmen über das dritte Auge oder Sehen mit dem Herzen – all diese Begriffe versuchen, etwas zu benennen, das sich letztlich nicht festhalten lässt. In schamanischen Traditionen ist es kein besonderes Können und keine übergeordnete Fähigkeit, sondern eine natürliche Art des Wahrnehmens, die jenseits der äußeren Sinne liegt und dennoch tief im Körper verankert ist. Es ist ein Sehen, das nicht mit den Augen geschieht, sondern aus der Verbindung heraus entsteht. Ein inneres Wissen, das sich manchmal als Bild zeigt, manchmal als kurzer Eindruck, manchmal nur als ein inneres Ja oder Nein. Egal, welche Worte wir dafür wählen, im Kern geht es immer um dasselbe. Um das Erinnern an eine ursprüngliche Form der Wahrnehmung, in der wir nicht getrennt sind, sondern verbunden. Mit den Tieren, mit der Natur und mit uns selbst.







Kommentare